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THW − unbezahlbarer Beitrag für die Gesellschaft

Seit seiner Gründung im Jahr 1950 ist das THW zu einer unverzichtbaren Säule der Gefahrenabwehr in Deutschland gewachsen. Neben dem per Gesetz definierten Aufgabenkatalog erfüllen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer für unsere Gesellschaft einen wertvollen Beitrag, der sich weder verordnen noch bezahlen lässt. Er ist vielmehr vom Wunsch getragen, seinen Mitmenschen zu helfen.

Erfahren Sie mehr über den gesetzlichen Auftrag, das Selbstverständnis, die Rolle als humanitärer Botschafter im Ausland.

Humanitärer Botschafter per Gesetz und Tradition

Immer dann, wenn das THW im Ausland hilft, hilft die Bundesrepublik. Das THW ist die einzige staatliche Katastrophenschutzorganisation des Bundes und leitet ihren Auftrag zur technischen Hilfeleistung im Ausland aus einem Gesetz ab.

Diesen Auftrag erfüllt das THW, eine Behörde im Geschäftsbereich des Bundesinnenministers, ebenso kompetent wie seine Hilfe im Ausland. Seit über 50 Jahren leistet das THW inzwischen humanitäre Hilfe rund um den Globus. Begonnen hat diese lange Tradition mit dem Einsatz des THW im Jahr 1953 zur Bekämpfung eines der verheerendsten Hochwasser in den Niederlanden. Tausende Einsätze sollten folgen. Darunter die Hilfe zur Suche und Rettung von Erdbebenopfern, die Trinkwasserversorgung in Afrika oder Wiederaufbaumaßnahmen im ehemaligen Jugoslawien und jüngst in Afghanistan.

Ihrer besonderen Verantwortung als "humanitäre Botschafter" Deutschlands sind sich die THW-Angehörigen bei ihrem Engagement im Ausland stets bewusst und schon der Nachwuchs wird bereits in jungen Jahren an diese besondere Rolle herangeführt. Mit der Teilnahme von THW- Jugendgruppen an internationalen Jugendbegegnungen oder dem tunesischen Zivilschutztag leisten schon die Jüngsten einen Beitrag zur Völkerverständigung.

Das Leitbild des THW

Technisch-humanitäre Hilfe im In- und Ausland. Ehrenamtliche Einsatzorganisation und Bundesbehörde. Zum 50. Geburtstag hat sich das THW ein besonderes Geburtstagsgeschenk gemacht. Es hat seine Ziele und seine Identität zu einem Leitbild formuliert. Die Kurzfassung des THW-Leitbildes im Untertitel dieses Beitrags ist Auftrag und Selbstverständnis zugleich:

Die THW-Aufgabe Technisch-Humanitäre Hilfe wird in der Organisationsstruktur einer Bundesbehörde, aber im Selbstverständnis einer Einsatzorganisation von ehrenamtlichen Angehörigen erbracht.

Die Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit einer Bundesbehörde erfährt durch die Einbeziehung des Ehrenamtes mit seiner Verwurzelung in allen Schichten und Berufen der Bevölkerung ihre wesentliche Erweiterung und Effizienz.

Mit der bewussten Einbindung von Bürgern in staatliches Handeln, die hierin ihre eigenen Erwartungen an den Staat nach Grundsicherung in Gefahren selbst mit erfüllen, praktiziert das THW schon die Vision von einer neuen Partnerschaft zwischen Staat und Bürgern im Leitbild der neuen Bundesregierung vom aktivierenden Staat. Es ist das Besinnen auf die zumutbare, leistbare Verantwortlichkeit von Bürgern für sich und andere.

1. Aufgabenwahrnehmung und Bürgernähe:

Das THW nimmt die ihm zugewiesenen, in der Zuständigkeit des Bundes liegenden gesetzlichen Aufgaben der Technisch-Humanitären Hilfe wahr und versteht das Angebot der Nutzung seiner Ressourcen für Aufgaben der Länder und Kommunen als gleichrangig. Es sichert damit bei Einsätzen im In- und Ausland die höchsten aller denkbaren Lebensgüter, das menschliche Leben, die körperliche Unversehrtheit und lebenswichtige Güter.

Auch wenn die Gefahrenabwehr im Einsatzfall den Hauptzweck für das THW darstellt, sind dadurch präventive wie auch wiederherstellende und beratende Aufgaben nicht ausgeschlossen. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer des THW bilden als Bürger aus allen sozialen Schichten und Berufen durch ihre Bereitschaft zur Hilfe für Menschen in Not die wesentliche Basis für das THW. Damit ist das THW die einzige Behörde, in der das von anderen Behörden als Handlungsmaxime definierte Prinzip der Bürgernähe bereits verwirklicht ist. Statt «Bürgernähe« gilt hier die «Bürgeridentifizierung«.

Das THW ist ein Teil der Daseinsvorsorge, die der Bürger vom Staat erwartet. Es gibt jedem Bürger das Versprechen auf nicht hinterfragte Hilfe im Gefahrenfall und trägt dazu bei, die von der Bevölkerung so gern in Anspruch genommene Sorglosigkeit verantwortbar zu machen.

Die Bereitschaft von Bürgern zum Eintritt als Helfer in die Behörde THW erfordert stets an gesellschaftliche Veränderungen angepasste innere Rahmenbedingungen zur bestmöglichen und zeitgemäßen Identifikation von eigenen Erwartungen mit den Zielen der Bundesanstalt.

Ziele

  • Das THW profiliert und professionalisiert sich in den zugewiesenen Aufgaben und wird deshalb eingesetzt.
  • Ein lebendiges und leistungsfähiges THW ist Ausdruck und Maßstab des politischen Willens, ehrenamtliches Engagement zu fördern, dem Subsidiaritätsprinzip auf breiter Basis zum Durchbruch zu verhelfen und den Bürger selbst an der eigenen Daseinsvorsorge im Gefahrenfall zu beteiligen. Durch einen angemessenen Ressourcenansatz bleiben deshalb Stellenwert, Existenz, Fortbestand und Entwicklungsfähigkeit gesichert.

2. Mitwirkungsprinzip und Führungsstil:

Bürger, die in einem derart hohem Maße bereit sind, sich in die Erfüllung dieser gesetzlichen Aufträge einzubringen, erwarten im Gegenzug eine angemessene (aktive) Mitwirkung und Teilhabe. Damit können die besten Kräfte freigemacht werden, um Ziele und Entscheidungsprozesse innovativ, sachgerecht und in breiter Akzeptanz festzulegen und umzusetzen.

Der Führungsstil respektiert dieses Recht auf Mitwirkung und Beteiligung bei wesentlichen Entscheidungsprozessen, ermöglicht aber auch straffe und an den Vollzug von Einsätzen, die der Sache nach keinen Aufschub zulassen, angepasste Strukturen. Dieses besondere Spannungsverhältnis verlangt von Mitarbeitern und Helfern außerordentliche Anstrengung und Flexibilität. Es bedarf des gegenseitigen Verständnisses und des Vertrauens in die Führung.

Diese vollzieht sich in Transparenz, Kommunikation, Motivation und Delegation. Kameradschaft, Verlässlichkeit und Loyalität prägen darüber hinaus generell den Umgang im THW. Sie sind neben der gesellschaftlichen Anerkennung die Bereicherung und «Lohn« für den persönlichen Einsatz.

Ziele

  • Führung beinhaltet Anspruch und Verpflichtung für alle am Führungsverhältnis Beteiligten. Sie erschließt Potenziale, erfährt Optimierung durch Teilhabe und kann deshalb auf Umsetzungsverlässlichkeit bauen.
  • Die Menschen sind das wichtigste Kapital des THW. Es wird eine Unternehmenskultur geschaffen, in der sie sich mit diesen Zielen voll identifizieren können.

3. Meinungs-/ Wertebildung und Konfliktkultur:

Das THW sichert die Durchführung ihm übertragener gesetzlicher Aufgaben in einer zukunftsweisenden Kombination aus staatlichen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern und bietet hierdurch sowohl Bürgernähe/ Bürgeridentifikation als auch den Rahmen für praktizierte Eigenverantwortlichkeit bei der Sicherung hochwertiger Lebensgüter. Gemeinsinn, Mitmenschlichkeit und Verantwortungsbereitschaft bilden hierfür die ideelle Basis. Das Entstehen einer positiven Organisationskultur berücksichtigt die Vielfalt der Meinungen und entscheidet grundwertebezogen. Dies beinhaltet auch die Akzeptanz notwendiger administrativer Maßnahmen zur Rechenschaft gegenüber Regierung und Parlament bei der Verwendung bereitgestellter Steuergelder. Die Spannungspotenziale aus behördlichen und ehrenamtlichen Strukturen werden zur Aktivierung der besten Kräfte und Ideen eingesetzt. Eine sich daraus entwickelnde Konfliktkultur nimmt Maß an den Grundrechten. Konflikte werden in der Organisation intern ausgetragen und einer Lösung zugeführt. Einigungsverfahren sind grundsätzlich auf den konsensfähigen Kompromiss ausgerichtet. Vorgegebene Hierarchien werden respektiert.

Ziele

  • Das THW muss sich eine kreative Offenheit bewahren, die sich durch Bereitschaft zur Auseinandersetzung und durch eine Haltung auszeichnet, die Herausforderungen annimmt und als Chance begreift.
  • Im THW werden die Potenziale aus behördlichen und ehrenamtlichen Strukturen zur Aktivierung der besten Kräfte und Ideen umgesetzt.

4. Selbstverständnis als Organisation im Einsatz:

Das THW nimmt seine Aufgaben im Einsatz kooperativ und selbstständig wahr. Besonderes Kennzeichen ist die Bereitschaft zur Einordnung in gesetzlich festgelegte Einsatzstrukturen (Unterstellung unter die Einsatzleitung). Hierbei verfährt das THW verlässlich und autark. Es bietet ein umfassendes Dienstleistungsangebot in Führung und Durchführung bei zugewiesenen Aufgaben. Qualität ist das hervorstechende Merkmal bei der Übernahme und Abwicklung von Einsatzaufträgen und Hilfeleistungen.

Die Professionalität des Handelns hinterlässt keine Spuren, aber Eindrücke. Das Ansehen des THW wird von einer «auffälligen Unauffälligkeit« geprägt.

Ziele

  • Das Erbringen einer hochwertigen (Führungs-) Leistung im Einsatz, in Planung, Durchführung und Nachbereitung fördert intern Ehrgeiz und Wettbewerbsdenken und prägt extern die Einstellung des Anforderers, aber auch potenzieller künftiger Anforderer entscheidend.
  • Ansehen und Stellenwert werden von selbstbewusster Unauffälligkeit im Erfolg getragen.

Ausblick: Die Gedanken sind formuliert und diskutiert. Das Bild ist gemalt; es nunmehr im täglichen Miteinander lebendig werden zu lassen, liegt an uns gemeinsam!

Eine geschriebene Verfassung ist gut - eine gelebte weitaus besser!

Die zehn Leitsätze des THW

Der 50. Geburtstag des THW war gleichzeitig die Geburtsstunde der Leitsätze des THW. In einer Jubiläumspublikation war in diesem Zusammenhang zu lesen: "Die zehn Leitsätze des THW sollen Verständnis, Verhalten und Identifikation prägen und allen ehren- und hauptamtlich Mitwirkenden im Verlauf ihrer Zugehörigkeit zu einer innerlichen "Blaufärbung" verhelfen."

  1. Das Leitbild verpflichtet alle Angehörigen des Technischen Hilfswerks.
  2. Wir sind eine ehrenamtlich getragene staatliche Organisation der Bundesrepublik Deutschland.
  3. Unser im THW-Helferrechtsgesetz festgelegter Auftrag ist Leistung technisch-humanitärer Hilfe, auch weltweit und im Zivilschutz
  4. Wir sind ein THW − identifizieren uns mit unserem Staat und bekennen den Auftrag als unser gemeinsames Ziel.
  5. In Verantwortung für unser Ziel bereiten wir uns mit aller Kraft und allem Können für den Einsatz vor.
  6. Kameradschaft, Verlässlichkeit, Loyalität und gegenseitige Achtung prägen unseren Umgang miteinander
  7. Die Mitgestaltung der Helferschaft in den Gremien ist Voraussetzung bei der Führung und Weiterentwicklung des THW
  8. Kommunikation ist unser wichtigstes Führungsinstrument.
  9. Jede Herausforderung wird als Chance zur Verbesserung betrachtet.
  10. Die THW-Jugend ist unsere Zukunft.

Technisches Leitbild des THW

Präambel

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 mit ihren internationalen Folgen, aber auch die Hochwasserkatastrophen an Donau, Elbe und Mulde im August 2002 wie die weltweite Zunahme von Naturkatastrophen überhaupt, haben die Verwundbarkeit unserer hochtechnisierten und global vernetzten Welt überdeutlich aufgezeigt.

Gefahren drohen heute in erster Linie durch schwere Unglücksfälle und Naturereignisse, Störungen lebenswichtiger Infrastruktur, national und international operierenden Terrorismus einschließlich Sabotage, Schwerstkriminalität sowie militärische Konflikte.

Wir stellen uns aktiv den hieraus erwachsenden Herausforderungen eines komplexen Gefahrenmanagements.

Kernpunkte und strategische Leitlinien dessen sind insbesondere folgende Komplexe, deren Entwicklung in enger Abstimmung und Kooperation im Sinne einer Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern, Kommunen und Hilfsorganisationen gestaltet wird:

  1. ständige Optimierung und bedarfsgerechte Ausrichtung der Einsatzpotentiale des THW in einem evolutionären Prozess durch Schaffung von Freiräumen und konzeptionellen Verbesserungen der Technischen Züge mit ihren Bergungs- und Fachgruppen zur Sicherstellung eines standardisierten flächendeckenden Grundschutzes.
  2. eine an Risikoanalysen orientierte Spezialisierung von THW − Einheiten zur Sicherstellung des Sonderschutzes, die zugleich Bestandteil von organisationsübergreifenden Task Forces für überregionale und internationale Einsätze sein können.
  3. eine aktive Fortführung der Harmonisierung und der Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, den Hilfsorganisationen, den Landes- und Bundespolizeibehörden und der Bundeswehr in den Bereichen des Führungssystems, der Ausbildung und der Ausstattung.

Auf der Basis zeitgemäßer Risikoanalysen und Schutzzieldefinitionen leisten wir im Rahmen eines integrierten Hilfeleistungssystems auf den Versorgungsstufen des

  • normierten alltäglichen Schutzes,
  • standardisierten flächendeckenden Grundschutzes,
  • Schutzes für gefährdete Regionen und Einrichtungen,
  • Sonderschutzes mit Hilfe von Spezialkräften qualifizierte Hilfe zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland und weltweit.

Neben der Fortentwicklung der Einheiten und einer dynamischen Ausbildungskonzeption bedarf es hierzu insbesondere eines technischen Leitbildes. Mit dem technischen Leitbild als Steuerungsinstrument definieren wir unseren Platz beim Aufbau einer neuen Sicherheitsarchitektur auf nationaler und internationaler Ebene und geben uns zugleich eine Richtschnur für das strategische Handeln der nächsten Jahre.


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